gedanken.

 Schreiben. War mal so wichtig, wie atmen. Dem ganzen im Innen einen Raum geben, zum Existieren. 

Schriftart aussuchen und verändern, erinnere mich an frühere Tage, an denen ich Stunden damit zubrachte, auf Wordprogrammen Schriften und Farben auszuwählen. Lange her. Ich war kleiner.


So oft in den letzten Tagen fühle ich mich jünger. Manchmal sprudeln Worte wasserfallartig aus mir heraus. 

Ich möchte berichten, von gestern. Und von diesem Bild. 



Ich saß neben meinem Freund auf dem Bett und wir sprachen über diese Art von psychedelischer Kunst. Ich nahm wahr, dass er schon ein wenig genervt war von meiner ängstlichen Reaktion auf das Bild. Ich sprach darüber. Was es in mir auslöste. Und das war nunmal: 

Omnipräsenz. Allumfassend. Sich nirgends verstecken können. Nirgends sicher sein. Augen die überall lauern und dich beobachten. Deine eigenen Blicke oder Augen, die sich ins Außen erstrecken. Panik. 

Der Diskurs über das Werk nahm seinen Lauf, als er mir sagte, dass er es beruhigend fand, dass es etwas gäbe, das Allumfassend sei, es schenke ihm Vertrauen, nicht ganz allein zu sein und dass es immer etwas gäbe, das da sei. 

In mir stiegen bei jedem weiteren Wort, das aus mir heraussprudelte, die Tränen hoch. 

In mir löst der Gedanke an dieses Bild Beklemmung aus. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Augen diese Flammen sind und der Blick mich an Entsetzen erinnert, weniger als Erstaunen, das man hier eher vermuten würde, bei der Interpretation des Bildes. Tote Menschen haben diesen Blick in die Leere. 

Unruhe, Nervösität, bei dem Gedanken an: Dass da jemand ist, der alles sieht. Vor dem oder 'das' man sich nicht verstecken kann. Assoziationen: 

 Der kalte Blick von Mama. Erwartungen. Druck. Nicht gut, niemals gut genug sein können. Vorausahnen müssen, was sie von mir will. Ohnmacht in Beziehung. Ohnmacht, denn egal, was ich mache, es ist alles nicht gut genug. Warum ich immer das Denken habe, ich sei weniger wert als andere. Im Kontakt mit anderen mein Gegenüber automatisch von Innen her als "höherstehend" bewerte und mich anpasse. Aus einem Drang, Bestrafung, Ablehnung, Liebesentzug zu entgehen. 

Die Angst vor Ablehnung und nicht gut sein zu können, tief verankert. 

Ich fühle mich entlarvt. Beim Anblick des Bildes. Ich kann nicht weg. Es gibt nur mich als Gegenüber, auf den sich all diese Blicke, Augen, richten. 

Und mit den vielen Augen, viel Angst vor Bewertung, von auf die Finger, aufs Tun und sein schauen. 

Und viel Scham. Viel Angst vor Bewertung. 

Das Gefühl von Nichtdaseindürfen. 

Das Gefühl von Seinmüssen. 

 Aushalten. Allein sein. Verbindungslos inmitten einer Beziehung. Wie kein Weg nach draußen. 

Ohnmacht in Verbindung. 

Ich glaub ich hab gelernt: Beziehung = Ohnmacht. Beziehung = der/ die Andere bei gleichzeitiger Negierung meiner Selbst.

Ja, genau. Deswegen hast du auch nie eine richtige eigene Meinung, weil du deine ganze Scheisse immer allen anderen anpasst. Weil du nix hinkriegst und am Ende immer am heulen bist. 

Du kannst es theoretisch, aber dir fehlt der Mumm, weil du in Verbindung einfrierst, sobald du in die Nähe von Kritik an anderen üben kommst. Oder Wut, Wut ist ganz schwierig, ganz tot, fast. 

Aber im Innen schreit es in dir. So laut, dass es schon nahezu nicht mehr hörbar ist, weil du es so sehr ausblendest. Aber sie ist da, diese Welle an Wut und sie schreit und schreit und schreit. Du willst sie nicht hören, weil du Angst vor ihr hast, vor dem Kontrollverlust, vor dem DASEIN. 

Wenn du Da bist. 

Ja. Wenn DU da bist. Was dann. Was dann. Was dann.  

Bildquelle: Alex Grey Art https://m.media-amazon.com/images/I/61Z4IAb2G-L._AC_.jpg

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